Rassismus am Gericht – Nicht Schwarz genug für das N-Wort??

Veröffentlicht von Redaktion am

Nach einer rassistischen Beleidigung zieht eine junge Frau aus Hannover mutig vor Gericht. Der Täter wird wegen des gezeigten Hitlergrußes verurteilt, nicht jedoch wegen seiner rassistischen Aussagen – von diesem Vorwurf wird er freigesprochen. Stattdessen handelt die Richterin selber rassistisch und bringt die Betroffene zum Schweigen.

Uns erreichte ein Brief der Betroffenen, der die Vorfälle schildert. Wir stehen mit Zoe! Wir fordern das Gericht auf, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen, Rassismus zu ahnden und diese unerträglichen Zustände zu beenden!

Hier der Brief von Zoe:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zoe (Name geändert), 22 Jahre alt, ist im Sommer 2019 in Hannover rassistisch beschimpft worden. Als sie mit einer Freundin in der Innenstadt von Hannover spazieren war, hat ein auf einer Bank sitzender Unbekannter sie mit dem N-Wort angesprochen („lecker N***“) und ihre zu Hilfe kommende Gruppe von Freund*innen mit einem Hitlergruß konfrontiert. Der Fall ist letzte Woche am Gericht von Hannover verhandelt worden, und Zoe musste vor Gericht erscheinen, um eine Zeugenaussage zu machen. Die Richterin, Monika Pinski, hat den Angeklagten für den Hitlergruß verurteilt, aber nicht für die rassistischen Zurufe. Als Begründung gab die Richterin an, Zoe sei nicht „schwarz genug“, um mit dem N-Wort wirklich gemeint und rassistisch beschimpft worden zu sein. Die Richterin sagte zu Zoe so etwas wie: Naja, hat er das wirklich zu Dir gesagt? Du bist eigentlich fast weiß. Der Angeklagte ist daraufhin für den Zuruf des N-Wortes freigesprochen worden. Dazu möchten wir anmerken, dass Zoe afrikanischer Herkunft ist und ein Teil ihrer Familie aus Nigeria stammt. Sie hat das N-Wort also sehr wohl auf sich bezogen und den Vorfall als einen bedrohlichen und rassistischen Angriff erlebt.

Wir denken, dass das Urteil und die Begründung der Richterin, die Zoes Erzählung und Selbsteinschätzung der Situation in keinster Weise ernst genommen hat, eine völlige Inkompetenz in Bezug auf rassistische Diskriminierung und sprachlicher wie symbolischer rassistischer Gewalt zeigt. Zoe hat damit eine dreifache Diskriminierungserfahrung gemacht: erstens durch die rassistischen und gleichermaßen sexistischen Zurufe des Täters, zweitens durch die ignoranten und unsensiblen Kommentare der Richterin, die tatsächlich behauptete, dass Zoe „nicht schwarz genug“ sei, um vom N-Wort gemeint und damit Zielscheibe von Rassismus zu sein, sowie drittens durch die Macht des Gerichts, die die Aussage Zoes zum Schweigen gebracht hat.

Wir möchten diesen Fall daher öffentlich machen und den Rassismus des Gerichts thematisieren. Ob die Betroffene „fast weiß“ oder nicht ist, niemand sollte ungestraft und ohne weitere Konsequenzen „lecker N***“ in der Öffentlichkeit sagen dürfen. Wir wenden uns daher an Sie, um Sie nach einer Einschätzung und eventuell nach Unterstützung in der Veröffentlichung dieses Gerichtsurteils zu bitten. Unser Interesse liegt primär darin, den alltäglichen und deshalb oft übersehenen Rassismus, in diesem Fall von der Richterin, aber auch generell weit verbreitet im Gerichtssaal, hervorzuheben.

Zu Ihrer Information hängen wir Ihnen den Zeitungsbericht über die Gerichtsverhandlung an, der am 11. März 2020 in der Hannoverschen Allgemeinen erschienen ist, an.

Wir danken Ihnen schon jetzt für Ihre Mühen und würden uns über eine Rückmeldung und Unterstützung sehr freuen.

Zoe und Xy


Solche Urteile vor Gericht sind leider kein Einzelfall. In Mecklenburg-Vorpommern entschied vor Kurzem ein Gericht, dass die Verwendung des N-Wortes „nicht per se verletzend“ sei. Das sehen wir anders! Das N-Wort ist immer abwertend. Um dies auch rechtlich anzuerkennen, hat Charlotte Nzimiro eine Petition gestartet. Unterstützt hier die Petition.

Kategorien: Allgemein

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